Förderaufruf28. Februar 2026·Von Denis Jänicke

ESA & Horizon Europe 2026: Koordinierter Call für Erdbeobachtung & Klimaforschung

Die Europäische Kommission und ESA haben den Horizon Europe 2026-Workplan gestartet — mit koordinierten Calls für Erdwissenschaften, KI-basierte Erdbeobachtungslösungen und Biodiversität. Erste Deadline bereits am 15. April 2026.

🇪🇺Programm

Horizon Europe 2026

📋Call

HORIZON-CL5-2026-08

Stage-1-Frist

15. April 2026

📅Stage-2-Frist

8. Oktober 2026

🤝Konsortium

min. 3 Partner, 3 Länder

🛰️Fokus

Erdsystemwissenschaften & Satellitenfernerkundung

Antragsfrist

15. April 2026 — noch 31 Tage

Die EC-ESA Earth System Science Initiative (ESSI)

Im Rahmen des Horizon Europe 2026–2027 Work Programmes hat die Europäische Kommission in enger Abstimmung mit der ESA neue koordinierte Forschungscalls geöffnet. Kern ist die EC-ESA Earth System Science Initiative (ESSI), die seit 2020 mehr als eine halbe Milliarde Euro in über 70 Projekte an der Schnittstelle von Satellitenfernerkundung und Klimaforschung gebündelt hat. Die ESSI verfolgt das Ziel, Erdbeobachtungsdaten der Copernicus-Satelliten (Sentinel-1 bis Sentinel-6) und weiterer ESA-Missionen systematisch in die Klimaforschung und politische Entscheidungsfindung zu integrieren. Anträge, die Satellitendaten nutzen, werden zur Kooperation mit ESAs FutureEO-Programm eingeladen, das zusätzliche Daten und technische Unterstützung bereitstellt. Dabei werden Research and Innovation Actions (RIA) mit 100 % Förderquote finanziert — eine der attraktivsten Förderformen der EU.

Der aktuelle Call: HORIZON-CL5-2026-08-Two-Stage-D1-06

Der aktuell offene Call 'Closing knowledge gaps on Earth system science in support of global and regional assessments and climate policy' adressiert zentrale Wissenslücken in den Erdsystemwissenschaften. Gefördert werden Forschungsvorhaben, die direkt zum Verständnis von Klimasystemen beitragen — insbesondere im Scope des IPCC Working Group I (physikalische Grundlagen des Klimawandels). Thematisch relevant sind unter anderem: Verbesserung regionaler Klimamodelle und Downscaling-Methoden, Quantifizierung von Kipppunkten und Rückkopplungsschleifen im Erdsystem, Integration von Satellitendaten in Klimaprojektionen und Erdsystemmodelle, Analyse der Wechselwirkungen zwischen Ozean, Atmosphäre und Kryosphäre sowie Entwicklung von KI- und Machine-Learning-Methoden für die Klimadatenanalyse.

Stage-1-Deadline: 15. April 2026

Die erste Stufe verlangt eine Kurzskizze von maximal 10 Seiten, die das Forschungskonzept, die Konsortialstruktur und den erwarteten Impact beschreibt. Die Bewertung erfolgt anhand von drei Kriterien: Exzellenz (wissenschaftliche Qualität und Innovationsgehalt), Impact (Beitrag zu Klimapolitik und gesellschaftlichem Nutzen) und Durchführbarkeit (Qualität des Arbeitsplans und des Konsortiums). Die Entscheidung über Stage 1 fällt typischerweise innerhalb von 8 bis 12 Wochen. Erst bei positiver Bewertung werden Antragsteller zur vollständigen Einreichung in Stage 2 eingeladen.

Stage-2-Deadline: 8. Oktober 2026

In der zweiten Stufe wird ein vollständiger Antrag eingereicht — typischerweise 50 bis 70 Seiten, inklusive detailliertem Arbeitsplan, Meilensteinplanung, Risikobewertung und vollständiger Budgetaufstellung. Die Stage-2-Bewertung ist deutlich strenger: Gutachterteams mit je drei Experten bewerten jeden Antrag individuell. Die Erfolgsquote liegt bei koordinierten ESSI-Calls erfahrungsgemäß bei 10 bis 15 % — eine sorgfältige Vorbereitung bereits in Stage 1 ist daher entscheidend.

Weitere Calls in der Pipeline (April bis November 2026)

Biodiversität und Prognosemodelle (BIODIV-05)

Am 17. April 2026 öffnet HORIZON-CL6-2026-01-BIODIV-05 — ein Call zu Biodiversitätsszenarien und Prognosemodellen. Gesucht werden Ansätze, die Erdbeobachtungsdaten mit ökologischen Modellen kombinieren, um Veränderungen in Ökosystemen vorherzusagen. Relevant für Unternehmen und Institute, die in der Umweltanalytik, im Naturschutzmonitoring oder in der nachhaltigen Landnutzung arbeiten.

KI-basierte Earth Intelligence (GOVERNANCE-01)

Bereits seit dem 12. Februar 2026 ist HORIZON-CL6-2026-03-GOVERNANCE-01 geöffnet — fokussiert auf KI-basierte Earth Intelligence-Lösungen. Dieser Call adressiert die Entwicklung von KI-Systemen, die große Mengen an Erdbeobachtungsdaten verarbeiten und für Entscheidungsträger in Regierung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft aufbereiten. Thematisch umfasst er Foundation Models für Erdbeobachtung, automatisierte Anomalie-Erkennung in Satelliten-Zeitreihen und KI-gestütztes Umwelt-Compliance-Monitoring. Hier sind insbesondere KI-Start-ups und Data-Science-Unternehmen angesprochen.

Extremwetter und Carbon Attribution (geplant Ende 2026)

Für Ende 2026 sind außerdem Calls zu Extremwetterereignissen (CL5-2027-01-D1-07) und Carbon Source & Sink Attribution (CL5-2027-01-D1-12) geplant. Letzterer zielt auf die präzise Zuordnung von CO₂-Quellen und -Senken mittels Satellitenfernerkundung — ein Thema von hoher Relevanz für die Verifizierung nationaler Klimaziele und die Umsetzung des Pariser Abkommens. Für deutsche KMU mit Fernerkundungs- oder KI-Expertise bieten diese Calls eine strategische Einstiegsmöglichkeit in das europäische Forschungsökosystem.

Konsortialanforderungen und Budget

Horizon Europe verlangt Konsortien mit mindestens drei Partnern aus drei verschiedenen EU-Mitgliedstaaten oder assoziierten Ländern. Typische Konsortialgrößen bei ESSI-Calls liegen bei 8 bis 15 Partnern, darunter Universitäten, Forschungsinstitute, KMU und gelegentlich Großunternehmen. Die Rolle des Koordinators (der den Antrag einreicht und das Projekt administrativ leitet) ist erfolgskritisch — erfahrene Forschungseinrichtungen oder Unternehmen mit Horizon-Erfahrung sind hier im Vorteil. Die typische Projektlaufzeit beträgt 3 bis 4 Jahre bei einem Gesamtbudget von 3 bis 8 Mio. EUR pro Projekt. Deutsche Partner können ergänzend nationale Programme nutzen — etwa das ZIM für F&E-Kooperationen oder Landesprogramme für Innovationsprojekte.

Für wen ist dieser Call relevant?

Der Call richtet sich an Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die in Erdbeobachtung, KI-gestützter Umweltanalytik, Klimamodellierung, Satellitenfernerkundung oder nachhaltiger Landnutzung tätig sind. Für KMU bietet Horizon Europe eine attraktive Förderquote von 100 % auf zuwendungsfähige Kosten — inklusive Personalkosten, Reisekosten, Unteraufträge und einem Overhead-Pauschalsatz von 25 %. Im Vergleich zu nationalen Programmen ist der Aufwand für die Antragstellung höher, aber die Förderquote und die Projektvolumina sind deutlich attraktiver. Wichtig: Auch Unternehmen ohne bisherige Horizon-Erfahrung können teilnehmen — vorausgesetzt, sie bringen eine klar definierte Technologie- oder Datenanalyse-Kompetenz ins Konsortium ein. Die Nationale Kontaktstelle (NKS) beim DLR Projektträger bietet kostenlose Erstberatung zur Antragsberechtigung und Konsortialfindung.

Nächste Schritte und Unterstützung durch VO Sustain

VO Sustain unterstützt bei der Einschätzung des Fits, der Partnerfindung über europäische Netzwerke und die NCP-Infrastruktur (National Contact Points) sowie bei der Antragstellung — insbesondere wenn ein Hochschul- oder Forschungspartner eingebunden werden soll. Für Unternehmen, die parallel nationale Fördermittel nutzen wollen, bieten wir eine integrierte Förderberatung, die EU- und Bundesprogramme strategisch kombiniert.


Horizon EuropeESAErdbeobachtungESSIKlimaforschungEU-CallTwo-Stage

Quelle: https://eo4society.esa.int/2026/02/06/get-ready-for-new-coordinated-eu-esa-science-actions-with-recently-launched-horizon-europe-2026-call/

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